Care-Arbeit passiert oft im Hintergrund. Sie beginnt früh am Morgen, wenn Eltern ihre Kinder für Schule oder Kita vorbereiten, und sie endet manchmal erst spät am Abend, wenn ein Telefonat mit einem pflegebedürftigen Angehörigen oder die Organisation eines Arzttermins ansteht. Für viele Menschen findet Care-Arbeit parallel zur Erwerbsarbeit statt, oft unsichtbar, aber mit grosser Verantwortung.
In der Schweiz übernehmen viele Menschen Verantwortung für andere. Rund 1,8 Millionen Personen betreuen Kinder unter 15 Jahren, während etwa 600 000 Menschen regelmässig Angehörige unterstützen oder pflegen (Bundesamt für Statistik, 2024). Gleichzeitig wächst der Bedarf an Unterstützung im Alter. 2024 erhielten über 424 000 Personen Pflegeleistungen durch Spitex-Organisationen, was zeigt, wie stark Betreuung und Pflege im Alltag organisiert werden müssen (Bundesamt für Statistik, 2025).
Diese Zahlen machen deutlich: Care-Arbeit ist längst Teil der Lebensrealität vieler Erwerbstätiger und damit auch ein Thema für Unternehmen.
Wer Verantwortung für Kinder oder Angehörige übernimmt, entwickelt im Alltag zahlreiche Fähigkeiten, die auch im Berufsleben wichtig sind. Dazu gehören zum Beispiel Organisation, Kommunikation oder die Fähigkeit, in schwierigen Situationen Lösungen zu finden.
Der Alltag mit Care-Verantwortung bedeutet oft, Termine zu koordinieren, unerwartete Situationen zu lösen oder mehrere Aufgaben gleichzeitig im Blick zu behalten. Genau dabei entstehen Kompetenzen, die auch im Arbeitskontext gefragt sind – etwa:
Studien zeigen, dass viele dieser Fähigkeiten durch Care-Erfahrungen gestärkt werden. In einer Untersuchung gaben über 80 % der Befragten an, durch ihre Familienrolle Kompetenzen entwickelt zu haben, die sie auch im Berufsleben einsetzen können (Lask & Junker, 2018). Gleichzeitig bleiben diese informell erworbenen Fähigkeiten im Arbeitskontext häufig unsichtbar.
Auch internationale Forschung zeigt, dass Care-Erfahrungen Kompetenzen wie Zeitmanagement, Multitasking, Kommunikation und Problemlösung fördern, Fähigkeiten, die im modernen Arbeitsmarkt besonders gefragt sind (Smith, 2024).
Wenn Care-Verantwortung im Arbeitskontext nicht berücksichtigt wird, geraten viele Mitarbeitende unter Druck. Gleichzeitig bleibt ein grosses Potenzial ungenutzt: Menschen mit Care-Verantwortung bringen häufig ausgeprägte organisatorische und soziale Kompetenzen mit. Unternehmen, die diese Realität anerkennen und ihre Mitarbeitenden unterstützen, etwa durch flexible Arbeitsmodelle oder Beratungsangebote, schaffen bessere Voraussetzungen für langfristige Zusammenarbeit.
Vereinbarkeit wird zum Erfolgsfaktor
Der Fachkräftemangel und eine älter werdende Gesellschaft machen deutlich:
Die Vereinbarkeit von Beruf und Care-Arbeit wird immer wichtiger. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden in diesen Lebenssituationen unterstützen, leisten nicht nur einen Beitrag zur sozialen Verantwortung, sie stärken auch ihre Attraktivität als Arbeitgeber.
profawo begleitet Unternehmen und Mitarbeitende dabei, Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Care-Verantwortung zu finden mit Beratung, Online-Sessions, Informationen und weiteren praxisnahen Angeboten.
Bundesamt für Statistik. (2024). Familien in der Schweiz: Betreuung von Kindern und Angehörigen. Bundesamt für Statistik.
Bundesamt für Statistik. (2025). Spitex-Statistik 2024: Hilfe und Pflege zu Hause. Bundesamt für Statistik.
Lask, J. E., & Junker, N. M. (2018). Elternkompetenzen und Arbeit. WorkFamily-Institut.
Smith, S. (2024). Unlocking potential: The transferability of skills from motherhood to the workplace. University of Phoenix.